Die Bedeutung der Nasenatmung

„Die Nase reinigt und befeuchtet die Luft und wärmt sie an, bevor sie in die Lunge gelangt. Diese Aufgaben werden von einer Schleimhaut übernommen, mit der unsere Nase sowie insgesamt unsere Luftwege ausgekleidet sind. Mikroskopisch feine Härchen, die Cilien, transportieren durch rhythmische Bewegungen einen sich ständig erneuernden „Schleimteppich“ laufend weiter- und zwar einerseits aus den Bronchien und der Luftröhre, andererseits aus der Nase in Richtung Rachenraum. Von dort gelangt das Sekret, in dem alle eingedrungenen Fremdkörper wie Staub und Bakterien aufgefangen worden sind, in den Magen und wird dort durch Enzyme neutralisiert.

In diesen Selbstreinigungsprozess sind ebenfalls die Nasennebenhöhlen mit einbezogen, die durch feine Kanäle mit dem Naseninnenraum verbunden sind.

In die Nase münden ebenso der Tränenkanal und der Mittelohrkanal, so dass die Nase also Verbindung zu drei wesentlichen Organen unseres Kopfes hat und damit zu vieren unserer fünf Sinne: Geschmack, Gehör, Sehen und Geruch.

Und damit sind wir bei einer weiteren wichtigen Funktion der Nase: In der Höhe der Nasenwurzel tritt der Geruchsnerv aus dem Schädel und mündet mit freien Nervenendigungen in den Nasenraum. Bei der Nasenatmung trifft der Luftstrom auf den Geruchsnerv und stimuliert diesen. Darüber hinaus kommt es über die zahlreichen Rezeptoren zum Geruchsempfinden.

Der Geruchsnerv führt direkt zum Hypothalamus und hat damit auch indirekt Kontakt zur Hypophyse, zwei wesentlichen Bereichen des Zwischenhirns, die unsere gefühlsmäßigen Reaktionen und die Funktionen des autonomen (vegetativen) Nervensystems steuern. Ärzte sagen noch heute häufig, dieser Teil des Nervensystems sei nicht beeinflussbar. Die Yogis jedoch experimentieren damit seit Jahrtausenden und haben das Gegenteil bewiesen. Wesentlich für diese Fähigkeit ist u.a. die Kontrolle des Atemflusses in der Nase durch das Zwerchfell und die gezielte Stimulation des Geruchsnervs.

Nasenwäsche – wozu eigentlich?

Die Schleimhaut der inneren Nase hat also eine wichtige Abwehrfunktion gegenüber Fremdkörpern und damit Infektionen zu erfüllen.

Ist das Schleimhautsekret jedoch zu dick, verfestigt oder zu flüssig, kann der sofortige „Abtransport“ der eingedrungenen Mikroorganismen nicht mehr ausreichend erfolgen. Besonders im Rachenraum und dort im Bereich der Mandeln kommt es dann leicht zur Anhäufung von fremden Keimen und dadurch zur Infektion (etwa Halsschmerz oder Mandelentzündung). Ein ebenfalls recht häufig auftretendes Problem sind schmerzhafte Entzündungen der Stirnhöhlen und Nasennebenhöhlen, hervorgerufen durch eine Verklumpung der feinen Verbindungskanäle im Naseninnenraum. Der freie Luftaustausch ist blockiert, durch Luftabsorption in den Nebenhöhlen kommt es zu einem Unterdruck, wodurch letztlich heftig schmerzende Vereiterungen hervorgerufen werden.

Nun wird auch deutlich, warum eine sehr trockene Luft, z.B. in beheizten oder klimatisierten Räumen, uns schnell anfällig für Infektionen der oberen Luftwege werden lässt: Die normale Sekretion der Nasenschleimhaut wird gestört, der Schleimteppich verklumpt und damit ist die Abwehrfunktion nicht mehr gewährleistet.

Die regelmäßige Nasenwäsche hat sich als sehr hilfreich erwiesen bei

  • häufig verstopfter oder „laufender“ Nase
  • häufigen Erkältungen
  • Neigung zur Entzündung der Nasennebenhöhlen
  • Neigung zur Entzündung der oberen Luftwege
  • Heuschnupfen
  • Häufig auftretendem Stirnhöhlenkatarrh
  • Tätigkeiten in staubigen, verschmutzten oder klimatisierten Räumen.

Angetrockneter, verklumpter Schleim wird gelöst bzw. überflüssiger Schleim fortgespült und die Nasenschleimhaut durch regelmäßige, sanfte Stimulation in ihrer Abwehrfunktion unterstützt und gekräftigt.

Hinweise zum Gebrauch des Neti-Kännchens

Vielen Menschen ist es eine unangenehme Vorstellung, salziges Wasser durch ihre Nase fließen zu lassen. Wenn man sich jedoch in Erinnerung ruft, dass der Tränenkanal in den Nasenraum mündet, wird deutlich, dass dies keineswegs eine merkwürdige Angelegenheit ist: Ein kontinuierlicher feiner Strom salziger Tränenflüssigkeit fließt ständig, fast wie eine „natürliche Nasenwäsche“, in die Nase hinein. Körperwarmes, leicht gesalzenes Wasser ist also dem inneren Milieu der Nase vollständig angepasst.

NasenkännchenVerwenden Sie lauwarmes Wasser und salzen Sie es ganz leicht. Die für Sie individuell „richtige“, d.h. angenehmste Salzmenge kann zwischen einer knappen Messerspitze und einem halben Teelöffel pro Kännchen variieren. Das Wasser in Ihrem Kännchen sollte etwa so schmecken wie Ihre Tränen, d.h. den Salzgehalt Ihrer Schleimhäute haben. Nehmen Sie dazu jodfreies Kochsalz, Emser Salz oder Emser Sole. Zuviel oder zuwenig Salz wird die Schleimhäute reizen. In einem solchen Fall wiederholen Sie einfach die Nasenspülung mit der für Sie richtigen Menge Salz; die Schleimhäute schwellen dann sofort wieder ab. Bestimmen Sie die Salzmenge nach Ihren individuellen Erfahrungen.

Führen Sie nun den Schnabel des Kännchens leicht in das aktive (d.h. das etwas offenere) Nasenloch ein und neigen Sie den Kopf zur Seite (jedoch zunächst noch nicht nach hinten) und heben Sie das Kännchen, bis das Wasser von selbst durch das andere Nasenloch wieder herausläuft. Tun Sie dasselbe mit dem anderen Nasenloch. Atmen Sie dabei ruhig und regelmäßig durch den Mund.

Die Nasenscheidewand ist nicht durchgängig bis zur Nasenwurzel ausgebildet, sondern hat oben einen Durchgang in den Rachenraum, so dass hierüber beide Nasenflügel miteinander in Verbindung stehen.

Als zweite, weiterführende Möglichkeit legen Sie beim Gießen den Kopf leicht in den Nacken, so dass das Wasser in den Rachen läuft und ausgespuckt werden kann (besonders gut bei Halsschmerz oder als Vorbeugung gegen Infektionen im Hals-Rachenraum).

Auf diese Weise wird die ganze innere Nase von überflüssigem oder verklebtem Schleim gereinigt und das Salzwasser lässt die Schleimhäute abschwellen. Diese Waschung ist angenehm und kann täglich durchgeführt werden, z.B. morgens und abends nach dem Zähneputzen, aber auch öfter nach Bedarf, etwa bei Schnupfen oder Verschmutzung der Nase. Die Nasenwäsche ist eine hervorragende Vorbereitung auf die Meditation. Sollte gelegentlich etwas Wasser in eine der Nebenhöhlen fließen, so ist das nicht weiter problematisch: Halten Sie den Kopf nach unten und drehen Sie ihn zu den Seiten, bis das Wasser wieder abgelaufen ist. Bei Fenstern in den Nebenhöhlen und bei operativen Eingriffen im Nasenraum sollte allerdings vor der Nasenwaschung der Behandler befragt werden; in allen anderen Fällen ist diese Reinigung unbedenklich zu empfehlen.

„PRANA“ – und die zwei Nasenflügel

Die Schleimhaut der Nase hat die Fähigkeit, durch Aufnahme von Blut aufzuschwellen (ähnliches Gewebe befindet sich nur noch in den Geschlechtsorganen). Das hat zur Folge, dass die Nasenlöcher jeweils unterschiedlich frei sind (was nicht verstopft meint), und daher der Luftstrom in ihnen immer wieder anders geführt wird. Je nach Intensität der Atmung streicht die Atemluft mit einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 300 km/h (bei heftiger Körperbelastung) über die inneren Nasenmuscheln (Turbinate) und trifft auf den Geruchsnerv. Entsprechend dem Öffnungszustand bzw. „Aktivität“ der beiden Nasenlöcher wird dieser sehr verschiedenartig stimuliert.

In der Yoga-Wissenschaft ist seit jeher beobachtet worden, dass beim gesunden Menschen ein regelmäßiger Wechsel in der Nasenlochaktivität festzustellen ist. Der Zyklus umfasst ungefähr zwei Stunden und führt dazu, dass jeweils das rechte oder das linke Nasenloch etwas freier die Atemluft fließen lässt. Darüber hinaus wird angenommen, dass über die jeweils verschiedenartige Stimulation des Geruchsnervs verschiedene Funktionen des vegetativen Nervensystems angeregt werden.

Ist z.B. das rechte Nasenloch gerade „aktiv“, d.h. das offenere von beiden, so werden bei der Einatmung durch die Nase mehr die vegetativen Prozesse unterstützt, für die der Körper Energie bereitstellen muss; ist aber gerade der linke Nasenflügel etwas offener, so werden mehr die Funktionen im Körper angeregt, die für Ruhe und Erholung sorgen. (Die sympathischen bzw. parasympathischen Funktionen des vegetativen Nervensystems, wie sie die westliche Medizin beschreibt, entsprechen zwar in weiten Teilen diesen Vorstellungen der Yoga-Tradition, sind mit ihnen jedoch nicht deckungsgleich).

So ist es z.B. angezeigt, sich nach dem Essen oder bei Verdauungsschwierigkeiten auf die linke Seite zu legen, denn dadurch öffnet sich das rechte Nasenloch, wodurch wiederum (bei Nasenatmung) der Vagusnerv angeregt und damit die Verdauungstätigkeit unterstützt wird.

Diesen Wechsel in der Aktivität des rechten und linken Nasenloches bekommen wir aus Mangel an Sensibilität und innerer Wachsamkeit meist nicht mit. Wir können jedoch den Kontakt zu unseren Körpervorgängen wesentlich intensivieren, wenn wir lernen, so oft es geht über den Tag hinweg unsere Atmung bewusst wahrzunehmen. Auch die Nasenwäsche oder Nadi Shodanam, welches unten beschrieben ist, sind in dieser Hinsicht sehr hilfreich.

Aus der beschriebenen Vielfalt der Aufgaben, welche die Nase zu erfüllen hat, ergibt sich, dass Mundatmung unorganisch ist und den Körper einer erhöhten Belastung aussetzt. Einsetzen von Mundatmung ist oft Kennzeichen einer körperlichen Überlastung bzw. ein Anzeichen für Stress. Insgesamt gilt, dass alle Tätigkeiten (z.B. auch Jogging) so ausgeführt werden sollten, dass die Nasenatmung ausreicht und so die Schutz- und Abwehrfunktionen der Nase vollständig wirken können.

Einen Unterschied in der Nasenflügelaktivität kann man selbst sehr einfach feststellen, indem man sanft ein Nasenloch schließt und durch das andere ein- und ausatmet und diesen Vorgang auf der anderen Seite wiederholt. Der Atemstrom wird in der Regel in einem Nasenloch freier fließen.

Entsprechend der Yoga-Tradition atmet man durch das aktive Nasenloch Prana (Lebensenergie) ein und durch das passive aus. In einem regelmäßigen Wechsel vertauschen sich aktiver und passiver Nasenflügel. Dieses Phänomen beruht auf dem wechselnden Fluss von Prana in Ida und Pingala, den Hauptenergiekanälen oder Nadis, die entlang der Wirbelsäule verlaufen. Für die Meditation ist es wünschenswert, diese beiden Energiekanäle gleichmäßig zu aktivieren und dadurch Shushumna zu öffnen (vollständig ausgeglichener Energiefluss in den Nasenflügeln), wodurch ein Zustand der Freude und Harmonie entsteht.

NADI SHODANAM

Es gibt eine Vielzahl von Atemübungen, jede für einen ganz bestimmten Zweck. Nadi Shodanam ist eine einfache Atemübung zur Reinigung der Nadis. Sie sorgt für gleichmäßig wechselnden Atemfluss in den Nasenflügeln und für den ausgeglichenen Energiefluss in den Nadis. Es hat eine entspannende und erholsame Wirkung. Nadi Shodanam sollte man möglichst mindestens zweimal am Tag machen und zusätzlich in Situationen der Belastung und Anspannung.

  1. Setzen Sie sich mit geradem Oberkörper, Nacken und Kopf entspannt hin (auf einen Hocker, Stuhl oder mit gekreuzten Beinen auf den Boden). Gestalten Sie Ein- und Ausatmung gleich lang. Zwingen Sie Ihren Atem keinesfalls, atmen Sie langsam, bewusst und entspannt, geräuschlos und fließend. Wenn Sie mit der Zeit etwas Übung haben, verlängern Sie die Dauer von Ein- und Ausatmung.
  2. Bringen Sie die Hand hoch zur Nase und knicken dabei Zeige- und Mittelfinger zur Handinnenfläche ein, so dass der Daumen dazu benutzt werden kann, das rechte, und der Ringfinger, um das linke Nasenloch zuzuhalten.
  3. Schließen Sie das passive Nasenloch und atmen Sie vollständig durch das aktive Nasenloch aus.
  4. Am Ende der Ausatmung schließen Sie sanft das aktive Nasenloch und atmen durch das passive langsam und vollständig ein. Ein- und Ausatmung sollten gleich lang sein.
  5. Wiederholen Sie diesen Zyklus der Ausatmung durch das aktive und der Einatmung durch das passive Nasenloch noch zweimal.
  6. Am Ende der dritten Einatmung mit dem passiven Nasenloch atmen Sie voll-ständig durch das gleiche Nasenloch aus und halten dabei das aktive Nasenloch mit dem Finger geschlossen.
  7. Am Ende dieser Ausatmung schließen Sie das passive Nasenloch und atmen durch das aktive ein.
  8. Wiederholen Sie diesen Zyklus der Ausatmung durch das passive und der Einatmung durch das aktive Nasenloch noch zwei weitere Male.
  9. Zusammenfassend von (3) bis (8) machen Sie also folgendes:
    1. ausatmen : aktives Nasenloch
    2. einatmen : passives Nasenloch
    3. ausatmen : aktives Nasenloch
    4. einatmen : passives Nasenloch
    5. ausatmen : aktives Nasenloch
    6. einatmen : passives Nasenloch
    7. ausatmen : passives Nasenloch
    8. einatmen : aktives Nasenloch
    9. ausatmen : passives Nasenloch
    10. einatmen : aktives Nasenloch
    11. ausatmen : passives Nasenloch
    12. einatmen : aktives Nasenloch

Insgesamt wird sechsmal der Zyklus vollständiger Aus- und Einatmung durchgeführt.

Legen Sie dann Ihre Hände auf die Knie und atmen durch beide Nasenflügel dreimal vollständig ein und aus. Achten Sie darauf, dass die Atmung immer frei und natürlich und nicht angestrengt fließt.

Damit ist eine Runde Nadi Shodanam zur Reinigung der Nadis beendet. In der Regel werden drei Runden nacheinander durchgeführt.“

Hp Rocco Kirch